Das Foto rechts zeigt, wie die Lahn in Zeiten anhaltender Trockenheit aussehen könnte (aktuelles Foto von der Ahr), wenn immer wieder geforderte Maßnahmen zur vollständigen Renaturierung umgesetzt würden – also ohne Wehre und ohne Schleusen, mit dem Ziel, den Fluss wieder zu einem frei fließenden Gewässer für Lachse zu machen.
Diese Forderung klingt auf den ersten Blick naturnah und verlockend. Sie lässt jedoch außer Acht, dass die Lahn heute ein über Jahrhunderte gewachsenes, vom Menschen geprägtes Gewässersystem ist. Gerade in langen Trockenperioden würden ohne die 24 Staustufen zwischen Gießen und Lahnstein weite Abschnitte deutlich weniger Wasser führen. Flachwasserbereiche könnten austrocknen, Rückzugsräume verloren gehen und Fische, Muscheln, Amphibien sowie zahlreiche weitere Wasserorganismen erheblich unter den veränderten Bedingungen leiden.
Die Staustufen erfüllen nicht nur eine Funktion für die Schifffahrt. Sie sorgen auch dafür, dass in den Stauhaltungen selbst während niederschlagsarmer Sommer ausreichend Wasser gespeichert wird. Dadurch bleiben wertvolle Lebensräume erhalten, die vielen Fischarten, Wasservögeln und anderen Tieren als Rückzugsgebiet dienen.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Durch den Betrieb der Schleusen und die Bewegung des Wassers, die unter anderem durch die Sportschifffahrt entsteht, wird Sauerstoff in das Wasser eingetragen. Dieser Sauerstoff ist für Fische und andere Wasserlebewesen lebensnotwendig und trägt zur Stabilität des Ökosystems bei.
Wer daher pauschal den Rückbau aller Wehre und Schleusen fordert, sollte die ökologischen Folgen insbesondere in Zeiten zunehmender Trockenheit sorgfältig bedenken. Ein funktionierender Natur- und Gewässerschutz erfordert eine differenzierte Betrachtung. Ziel sollte nicht sein, historische Wasserbauwerke ohne Rücksicht auf ihre heutige Bedeutung zu beseitigen, sondern Lösungen zu finden, die sowohl den Anforderungen des Naturschutzes als auch dem Erhalt der bestehenden Lebensräume gerecht werden.